Startseitenartikel

Gedenken an Halles ersten Feuerwehrkommandanten

s11.11.20.01s11.11.20.02Am vergangenen Totensonntag besuchte die Wehrleitung der Feuerwehr Ammendorf, in Vertretung aller Kameraden, die Grabstätte von Dr. Otto Ule auf dem Nordfriedhof. Hier gedachten wir des verdienstvollen ersten Feuerwehrkommandanten der Stadt Halle.

Dr. Otto Ule wurde am 22.1.1820 in Lossow bei Frankfurt/Oder als Sohn eines Predigers geboren. Als hallescher Stadtverordneter und Vorsitzender des Aufsichtsrates des Halleschen Wohnungsvereins engagierte er sich mit großem Einsatz gegen die damals herrschende Wohnungsnot. Außerdem führte Ule den hiesigen Turnverein in kurzer Zeit zu Ansehen und Erfolg, was (wie es damals hieß) bei den Bürgern nicht selbstverständlich war. Seine gemeinnützige, humanistische Denkweise zu Grunde legend, gründete er in Halle die so genannte „Fortschrittspartei“ und war von 1863 -1868 Abgeordneter in Berlin. Mit großem Einsatz warb Ule bei halleschen Unternehmen dafür, die Situation der halleschen Feuerwehr zu verbessern. So gelang es ihm bereits wenige Monate nach seiner Wahl als Feuerwehrchef, dass die Wehr eine neue Löschspritze erhielt. Ule reformierte die veraltete Löschformation in Halle und stellte einen Steigerzug, einen Spritzenzug und eine Rettungskompanie auf. Es gelang ihm, das Ansehen der Feuerwehr beim Bürger zu festigen und ihr gleichzeitig immer mehr Rechte einzuräumen. Dies gelang insbesondere im Jahr 1870 im Krieg gegen Frankreich. Damals war Halle eine Hauptlazarettstadt, und Ules Turnerfeuerwehr übernahm in der Formation von zehn Zügen den Verwundetentransport vom Bahnhof in die Krankenhäuser. Dabei wohnte Ule zusammen mit seinen Kameraden in der Bahnhofsbaracke, um bei eintreffenden Transporten sofort einsatzbereit zu sein. Ein tragischer Unfall setzte dem Leben des agilen Mannes ein jähes Ende. Während der Feier anlässlich einer Gartenbauausstellung wurde er am Abend des 6. Augusts 1876 als Einsatzleiter zu einem Brand in die Große Ulrichstraße gerufen. Während des Löscheinsatzes traf ihn ein herunterfallender Stein so heftig, dass er wenig später an den Folgen verstarb. Sein Tod wurde damals mit folgenden Worten kommentiert:„Er war immer für das Gemeinwesen da und starb als Idealist“. Als er begraben wurde, erlebte die Stadt Halle einen Trauerzug wie nie zuvor. Über 1.800 Teilnehmer mit 28 Vereinsfahnen erwiesen ihm die letzte Ehre.

Teilen
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok