Eigene Veranstaltungen

Ein Feuerwehrleben im Denkmal

ve13.09.08.01ve13.09.08.02Ein Mal im Jahr öffnen am zweiten Sonntag im September historische Gebäude, Türme, Burgen und Anwesen ihre Türen und Tore, die sonst kaum oder gar nicht zu besichtigen sind. Mit dem Ziel das Interesse der Öffentlichkeit für die wertvollen und kulturellen Denkmäler zu wecken, geben sich die Veranstalter jedes Jahr rege Mühe. Initiiert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, organisiert der Verein der Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen- Anhalt e. V. seit 1992 das Ereignis in Halle und Umgebung. Zum dritten Mal öffnete auch das Gerätehaus der Ortsfeuerwehr Halle-Ammendorf seine Tore, und das nicht ohne Grund. Wie der mittlerweile über 100 Jahre alte Schlauchturm entstand, wollen wir in einem kleinen Rückblick erklären.

Zwar gab es schon in frühesten Zeiten verpflichtete Einwohner und Handwerker, welche Brände zu bekämpfen hatten, doch konnte von einer Feuerwehr keine Rede sein. Die technischen Möglichkeiten, vor allem aber die darauf ausgelegte Ausbildung der Leute fehlte. Und so stand man den „Feuersbrünsten“, wie sie damals genannt wurden, hilflos gegenüber. Es sei deshalb ein Blick in die Vergangenheit gestattet, welcher Brandgeschehnisse in Ammendorf aufzeigen soll: 1426 brennt das ganze Dorf nieder. 1597 wird wiederum das ganze Dorf mit dem Gut ein Raub der Flammen. 1762 brennen 3 Bauerngehöfte nieder, dabei kommen im Gut Ammendorf – Beesen 200 Schafe um. 1777 brennen in der Hauptstraße 7 Häuser ab. Dabei stirbt der Ammendorfer Pfarrer vermutlich an einem Schock. 1827 brennt die große Schäferei ab. 1899, durch ein Feuer wird die Ammendorfer Wassermühle zerstört. Diese Aufzählung soll genügen, obwohl zwischendurch immer wieder ganze Häuser nieder brannten, sei es durch Blitzschlag oder sorglosen Umgang mit Feuer und Licht.

Es stellte sich damals als absolute Notwendigkeit dar, dass am 20. September 1899 in Ammendorf, dem damals größten und reichsten Dorf im Saalkreis, eine Feuerwehr gegründet wurde. Einerseits war es die Gemeindeverwaltung dem Sicherheitsbedürfnis ihrer Dorfbewohner schuldig, nicht zuletzt auch durch den aufstrebenden Industriestandort. Andererseits war dem technischen Fortschritt auch die Feuerwehr unterworfen. Man hatte somit auch in Ammendorf erkannt, dass man sich nicht erst dann mit dem Feuer beschäftigen müsse wenn es brennt, sondern für diesen Fall darauf vorbereitete und ausgebildete Mannschaften haben müsse. Seit der Gründung der 1. Freiwilligen Feuerwehr Deutschlands in Meißen 1841, sollte der Geist der freiwilligen Hilfeleistung bei Schadenfeuern, seinen Siegeszug in Deutschland antreten. Besonders das Handwerk mit seinen Meistern tat sich im neu organisierten Löschwesen besonders hervor. Eine Tatsache, welche weit in unsere Zeit reicht.

Im Jahre 1899 wurden die Orte Ammendorf, Osendorf, Burg, und Radewell zu einer Großgemeinde Ammendorf zusammengeschlossen. Alle diese Orte waren bereits im Besitz einer Freiwilligen Feuerwehr. Zusätzlich hatte Radewell eine Betriebsfeuerwehr in der Papierfabrik und Ammendorf eine in der Gottfried-Lindner AG. Nach dem Zusammenschluss wurde die Ammendorfer Wehr quasi neu gegründet. Später kamen im Jahr 1917 die Orte Beesen und Planena mit jeweils auch einer Wehr dazu. Nach der Neugründung der Feuerwehr Ammendorf wurde 1899 der Feilenhauermeister Große zum Vorsitzenden und Brandmeister gewählt und ein Herr Stilbitz zum Branddirektor. Gleichzeitig wurde auf der Gründungsversammlung die notwendige Anschaffung einer neuen Feuerspritze beschlossen. Der ständige Mannschaftszuwachs, verbunden mit der Indienststellung technischer Löschgerätschaft, ließ das alte einräumige Spritzenhaus in der Hauptstraße als völlig unzureichend erscheinen. So kam man nicht umhin, am Schillerplatz (heute Elsterstraße), ein neues modernes Spritzenhaus zu bauen. Und man tat es mit Überlegung und Weitblick. Die damals reichste und größte Gemeinde ließ ab dem 20. Juli 1911 von der Radeweller Baufirma Möbus für 9.300,- Reichsmark einen entsprechend repräsentativen Neubau errichten. Nach einer Bauzeit von 79 Tagen wurde das neue Gebäude am 8.Oktober 1911 eingeweiht.

Drei Tore mit Rundbogenfenstern und Kassettentäfelung zierten einst die imposante Giebelfassade. Das größere Mitteltor trug ursprünglich risalitförmigen Charakter und wird bis heute flankiert von zwei Pfeilern mit kapitellartigem Abschluss. Über dem Mitteltor wölbt sich über einem Fenster ein Vorhangbogen mit der einstigen Beschriftung: „Mit Kraft und Mut. Für des Nächsten Gut.“ Dieser Spruch ist auch heute wieder nach den alten Vorlagen angebracht worden. Der über dem Giebel aufragende Turm war früher mit Kupferblech beschlagen und hatte unter der Turmhaube Lüftungsjalousien zur Abführung der feuchten Luft. Denn was man von außen nicht sah, offenbarte sich im Inneren. Der Turm diente zur Schlauchtrocknung. Die Rollenaufzüge sind immer noch funktionstüchtig. Der Turmknopf war als Krone ausgebildet. Die beiden Nebentore des Gebäudes überspannten Korbbögen und die ganze Fassade war durch eine so genannte Putzquaderung verschönt. Nach der Straßenseite streckt sich, wie bei einer Kirche, ein kapellenartiger Vorbau mit Walmdach. Durch alle Zeitepochen hindurch konnte das Feuerwehrhaus seinen Zweck erfüllen, obwohl  Ende der 30er Jahren schon einmal, aus Platzgründen und Wohnungsnot, ein Neubau mit Standortverlegung vorgesehen war. Man entsann sich aber aus Kriegsgründen eines besseren. 1937 erhält Ammendorf am 1. Februar das Stadtrecht und die Einwohnerzahl ist mittlerweile auf 15000 gestiegen. Auch das Feuerlöschwesen der nun neuen Stadt ist zu einer festen Größe herangewachsen.

Wie oft die schönen Tore im Alarmfall früher aufgingen, kann natürlich nicht zurückverfolgt werden. Was man aber heute noch erkennt, ist die gelungene Symbiose von Zweckmäßigkeit und äußerer Schönheit. Das Spritzenhaus ist seit eh und je ein Identifikationspunkt der Ammendorfer Feuerwehrleute. Als am 11. September 1944 in Ammendorf die ersten Bomben fielen, trafen sie die Kirche, den Friedhof, das Pfarrhaus, die Sparkasse sowie Wohnhäuser in der Merseburger, Haupt,- Edison- und Horst Heilmann-Straße. Das Ammendorfer Spritzenhaus, nur wenige Meter neben den Einschlagorten gelegen, blieb verschont. Durch den Zahn der Zeit war aber die Bausubstanz sehr in Mitleidenschaft gezogen. Putz und Dachschäden waren die Folge. Durch den damaligen Wehrleiter Herbert Scheidewig wurde deshalb 1972 eine Renovierung in Gang gesetzt und die Mängel beseitigt. 1989 kam der Neubau der Leiterhalle hinzu. Der Umbau unseres Feuerwehrhauses im Jahre 2010 warf seine Schatten voraus. Seit Januar 2008 waren nunmehr konkrete Absprachen, Abstimmungen und die Planung im Gange. Diese betrafen vor allem die Feuerwehrunfallkasse, das Zentrale Gebäudemanagement der Stadt Halle, den Denkmalschutz und nicht zu vergessen die Berufsfeuerwehr. Der Antrag an den Stadtrat von Halle konnte im Jahre 2008 nicht mehr vollständig bzw. rechtzeitig vor Jahreswechsel eingebracht werden. Daher unternahm der FB.37 mit einer überarbeiteten Beschlussvorlage einen neuen Anlauf im April 2009. Der Antrag ging durch die folgenden Ausschüsse des Stadtrates: am 02.04. Vergabe-, am 15.04. Ordnungs-, am 21.04. Finanz- und am 22.04.2009 durch den Hauptausschuss. Es waren stets Mitglieder der Wehrleitung sowie der Fachbereichsleiter 37 bei den Sitzungen anwesend. Dem Antrag wurde in allen Ausschüssen einstimmig zugestimmt! Am 29.04.2009 erfolgte durch den Stadtrat der Stadt Halle-Saale unter Top 5.8 der Tagesordnung eine mehrheitliche Zustimmung zum Antrag.

Nun konnte es losgehen. Unter Planung und Bauleitung durch das Architekturbüro agn aus Halle, erfolgte der Beginn der Bauarbeiten  mit dem Abriss des alten Sanitärtraktes am 2. März 2010. Es wurde die Baugrube gebaggert und ein Baukran in der Elsterstraße aufgestellt. Der Rohbau wurde durch die Baufirma Götzinger aus Sangerhausen erstellt. Dieser wuchs schnell und erreichte bald seine geplante Höhe und Vollendung im April 2010. Nun begann auch der Ausbau des Altbaus mit der Sanierung des Hallenfußbodens. Dieser war mit 99 Jahren nun recht betagt und man sah ihm an, dass dieser für die tonnenschweren Fahrzeuge der letzten Jahrzehnte nicht ausgelegt war. Ab Mai 2010 begannen die Reparaturen an der Dach- und Deckenkonstruktion des Bestandsgebäudes. Diese waren sehr zeitaufwendig und handwerklich anspruchsvoll. Die mit den Aufgaben betraute Zimmerei Göbel, aus Gröbers bei Halle, machte ihr Werk gut und somit konnte ab August 2010 der weitere Innenausbau beginnen. Es ging nunmehr Schlag auf Schlag. Neue Rohre, Leitungen, Elektroanlagen, Wände und Farben lassen auf eine pünktliche Fertigstellung hoffen. Stück für Stück wurden die Installationen wie Heizung, Absauganlage und Elektro errichtet. Ein regelmäßiges Mittagessen, als Dankeschön an die Bauarbeiter, brachte der Wehrleiter persönlich auf die Baustelle. Jeden Abend fuhren die Kameraden am Gerätehaus vorbei, um zu schauen, wie sich die Wehr verändert. Auf die Abrüstung des Turmes haben wir sehnsüchtig gewartet. Der neue Stolz in Ammendorf ist von Weitem zu erkennen. Alle Restarbeiten am Dach wurden Ende Oktober 2010 fertiggestellt. Die traditionelle Bestückung der Turmkugel wurde am 2. November 2010 im Beisein der Berufsfeuerwehr und der Stadt durchgeführt. Die Wehrleiter Daniel Ecke und Thilo Kabon füllten voller Stolz die Kugel. Eine aktuelle Tageszeitung, Geldmünzen aus 6 Epochen, die letzten 3 Festschriften, eine Feuerwehrzeitung sowie 3 DVD’s wurden für die nächsten Generationen hinterlassen. Wie viel Zeit und Liebe die Kameraden in die Erhaltung dieser wunderschönen Feuerwache gesteckt haben, kann man nur erahnen. Jedenfalls ist das Gerätehaus seit der Restauration ein wahrer Anziehungspunkt geworden. Seit drei Jahren nun ist das Gerätehaus offiziell ein Denkmal und von Besuchern weit über die Landesgrenze Deutschlands gern gesehen.

Ein Mal im Jahr öffnen am zweiten Sonntag im September historische Gebäude, Türme, Burgen und Anwesen ihre Türen und Tore, die sonst kaum oder gar nicht zu besichtigen sind. Mit dem Ziel das Interesse der Öffentlichkeit für die wertvollen und kulturellen Denkmäler zu wecken, geben sich die Veranstalter jedes Jahr rege Mühe. Zum dritten Mal öffnete auch das Gerätehaus der Ortsfeuerwehr Halle-Ammendorf seine Tore. Von 9 Uhr bis 18 Uhr kehrten zahlreiche Besucher in dem historischen Gebäude ein und bestaunten den Schlauchturm sowie das Museum. In mehreren Führungen wurden die Entwicklung des Feuerlöschwesens und die Entstehung der Halleschen Feuerwehr dargelegt. Die Kameraden der Ortswehr danken für das Interesse und die zahlreichen Besuche.

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